MS für Kids

Was ist MS?

Zuerst einmal: Wofür stehen eigentlich die Buchstaben M und S?

MS ist nur eine Abkürzung.
MS steht für Multiple Sklerose.
Die Mediziner benutzen häufig Fremdwörter, damit sie sich weltweit miteinander verständigen können. Auf Deutsch übersetzt bedeutet es Multiple Sklerose

Multiple = Viele
Sklerose = Narben

Also bedeutet Multiple Sklerose – oder abgekürzt MS – nichts anderes als Viele Narben.

Was aber sagt uns der Name Multiple Sklerose?

Was verrät dir also Viele Narben?
Er könnte andeuten, dass es um viele kleine Kratzer oder kleine Wunden geht.
Das ist eigentlich gar nicht mal so falsch.
MS – eine Krankheit kurz erklärt

Viele Narben verrät nicht wirklich etwas Gutes, denn MS steht für eine Krankheit.
Und wer hat schon Freude an Krankheiten?
Etwa die Erkältung mit tropfender Nase und wüstem Husten – kennen wir doch alle.
Eine Erkältung kommt, aber sie verschwindet meist rasch wieder.
Will sie nicht verschwinden, dann gehen wir zum Arzt und der weiss, was zu tun ist.
Auch MS kommt, aber sie geht nicht wieder weg.
Und weil sie ständig da ist, auch wenn man sie nicht spürt, nennt man MS auch eine chronische Krankheit.
Bei der MS wissen die Ärzte bis heute nicht, wie man sie wieder ganz verschwinden lässt.

Merke: MS ist eine chronische Krankheit. Das bedeutet, sie geht nicht wieder weg. Wenn sie kommt, dann bleibt sie.

Warum MS bleibt

MS ist eine seltsame Krankheit.
Eine Erkältung bekommen wir wegen Viren und Bauchschmerzen, weil wir vielleicht etwas Schlechtes gegessen haben oder so.
Aber MS kommt nicht von draussen, von ausserhalb des Körpers, sondern entsteht im Inneren des Körpers.
Und bis heute weiss niemand, wie man MS verhindern kann.
Bis heute gibt es auch keinen Zaubertrank, der MS einfach wieder wegzaubert.
Medikamente können dafür sorgen, dass man sich trotz MS besser fühlt.
Aber wie man den Körper bei MS wieder ganz gesund macht, weiss niemand.
Sie ist wirklich seltsam diese Krankheit.

MS haben ist doof, aber zum Glück ist die Krankheit nicht ansteckend.

Was passiert bei MS?

Hast du dich schon mal gewundert, wie schnell du deine Beine bewegen kannst, wie sich dein Arm ganz einfach hebt oder wie flink deine Finger über die Tastatur huschen?
Das verdanken wir unseren Nerven, weil sie die Befehle des Gehirns über die Nervenfasern an die Finger, den Arm und an die Beine weiterleiten.
Dasselbe passiert auch, wenn du spürst, ob dich jemand sanft am Arm streichelt oder wenn du mit der Hand den Unterschied zwischen heissem und kaltem Wasser merkst.
Hier wandern die Informationen über die Nervenfasern zum Gehirn und sorgen zum Beispiel dafür, dass du die Hand vom Wasserstrahl nimmst, wenn es dir zu heiss wird.

Merke: Unsere Nervenfasern leiten Befehle des Gehirns an unsere Körperteile weiter und melden auch Informationen an unser Gehirn zurück.

Beispiel Stromkabel

Eine Nervenfaser ist eigentlich wie ein Stromkabel – wie zum Beispiel das Stromkabel der Lampe.
Wenn das Stromkabel nicht kaputt ist, dann kann der Strom durch das Kabel fliessen und die Lampe funktioniert ganz normal.
Ist das Stromkabel aber kaputt, dann kann der Strom nicht richtig oder überhaupt nicht durch das Kabel zur Lampe fliessen. Die Lampe flackert oder funktioniert gar nicht.

Die Befehle kommen vom Gehirn

Wenn die Nerven gesund sind, dann können alle Befehle des Gehirns an die Beine, Arme, Hände und überall hin gelangen.
Unser Körper tut dann genau das, was wir erwarten.
Sind die Nerven aber krank, dann können sie nicht alle Befehle des Gehirns weiterleiten.
Das heisst, dass unsere Beine, Arme und Hände nicht mehr das tun, was wir eigentlich beabsichtigen.
Sind bestimmte Nerven sehr schwer krank, dann erreichen die Befehle des Gehirns die Beine, Arme oder Hände überhaupt nicht mehr.
Oder wir spüren nicht mehr, ob das Wasser heiss oder kalt ist.
Wie das kaputte Stromkabel – wenn der Strom nicht mehr zur Lampe fliessen kann, dann bleibt das Licht aus.

Merke: Wenn die Nerven verletzt sind, können sie die Befehle nicht mehr oder nicht mehr richtig weiterleiten.

Woher kommt MS?

Was macht die Nerven krank?

Das ist überhaupt die schwierigste Frage – auch die Forscher können sie noch nicht richtig beantworten.
Aber so viel ist bekannt: Das gummiartige Stromkabel ist ja eigentlich die Schutzhülle und der Strom fliesst für uns unsichtbar in seinem Inneren, im Kupferdraht. Auch die Nervenfasern haben eine solche Schutzhülle und die Befehle des Gehirns fliessen in ihrem Inneren. Die Schutzhülle heisst Myelin-Schicht.

Myelin spricht man so aus: Mü-e-liin.

Was das Stromkabel nicht hat, sind tapfere Wächter, die seine Schutzhülle bewachen und falls nötig auch reparieren.
Und diese tapferen Wächter sind in unserem Blut.
Man nennt sie Leukozyten, dies bedeutet Blutkörperchen.
Davon gibt es verschiedene.
Manche von ihnen sind ständig damit beschäftigt, fremde Stoffe, die in unseren Körper eindringen, abzuwehren, damit wir nicht krank werden.
Alle tapferen Wächter bilden zusammen das Abwehrsystem oder anders ausgedrückt das Immunsystem.
Unsere Nerven haben solche tapferen Wächter, was sehr, sehr gut für uns ist.

Merke: Alle Wächter zusammen gehören zum Immunsystem.

Nur leider kommt es vor, dass einige dieser Wächter die Schutzhülle plötzlich nicht mehr beschützen, sondern sie angreifen.
Warum sie das tun, ist ein grosses Rätsel.
Mit ihren Angriffen verletzen sie die Schutzhülle von Nerven.
Dabei entstehen Narben in der Schutzhülle.
Wenn es wenige Narben sind, ist das nicht so schlimm.
Sind es aber Viele Narben, dann können nicht mehr alle Befehle des Gehirns durchfliessen.
Jetzt verstehst du, warum diese Krankheit Multiple Sklerose heisst, die Krankheit der Vielen Narben.

Wie erkennt man MS?

Menschen, die MS haben, sind meistens zwischen 20 und 40 Jahre alt, wenn sie zum ersten Mal bemerken, dass etwas nicht ganz stimmt mit ihrem Körper.
In seltenen Fällen sind sie auch sehr viel jünger.
Sie sehen dann zum Beispiel plötzlich ganz schlecht oder sie gehen ganz wackelig.
Manchmal kommt es ihnen so vor, als ob eine ganze Ameisenkolonie kribbelnd über ihren Körper wandert.
Oder sie haben beim Ertasten von Gegenständen kein Gefühl in den Fingern.

Du musst dir das so vorstellen, als ob du eine Tastatur mit einem Handschuh bedienen würdest.
Die Menschen gehen dann zum Arzt.
Einen Arzt, der sich mit Krankheiten des Gehirns und der Nerven auskennt, nennt man einen Neurologen.
Dieser Neurologe fragt zunächst, wie alles begonnen hat und findet dann schliesslich mit verschiedenen Untersuchungen heraus, weshalb die Menschen sich schlecht fühlen.
Häufig sind diese Untersuchungen sehr aufwändig und werden im Krankenhaus durchgeführt.

Merke: Wenn der Arzt herausfindet, was für eine Krankheit man hat, nennt er das Diagnose.

 

Was genau funktioniert nicht richtig?

Wie gesagt, je mehr die Schutzhülle eines Nervs verletzt wird, desto weniger Befehle können weitergeleitet werden.
Stell dir vor, das Gehirn sagt deiner Hand, sie soll die Zahnbürste packen und die Zähne putzen.
Sobald der erste Befehl die Hand erreicht, packst du die Zahnbürste.
Wenn aber der zweite Befehl die Hand nicht erreicht, also „die Zähne putzen“, dann hält die Hand zwar die Zahnbürste fest, führt sie aber nicht zum Mund – Zähneputzen geht nicht mehr.
Ein anderes Beispiel: Jemand will vom Stuhl aufstehen, aber nichts geschieht.
Er bleibt einfach sitzen, weil der Befehl des Gehirns zum Aufstehen die Beine nicht erreicht.
So kann jeder Körperteil komisch reagieren, wenn er keine oder unvollständige Befehle erhält.

Ist MS immer gleich?

Das ist eine unschöne Sache.
Wenn die Schutzhülle der Nerven nur von wenigen Wächtern angegriffen wird, dann entstehen nicht so viele Narben und dann spürt man die MS auch nicht so sehr.
Man weiss nicht, warum die Wächter das tun und auch nicht, wann sie es tun.
Plötzlich fangen sie mit diesem Unfug an und genauso plötzlich hören sie wieder auf damit.
Eine Zeit lang machen die Wächter ihre Arbeit wieder richtig und später machen sie mit ihrem Unfug plötzlich wieder weiter.
Das bedeutet natürlich, dass man jedes Mal etwas kranker wird.

Merke: Wenn die Beschwerden vorübergehend schlimmer werden, sagt man, dass man einen „Schub“ hat.